Ohne uns dessen bewusst zu sein, leben wir in einer standardisierten Welt, die Interoperabilität in den verschiedensten Bereichen ermöglicht. Zum Beispiel bieten Autos verschiedener Hersteller ein wei-testgehend standardisiertes Bedienerlebnis, so dass sich Nutzer meistens recht schnell zurechtfinden und auch alle wichtigen und gesetzlich notwendigen Funktionen relativ schnell finden können. Die Standardisierung fördert auch die Wiederverwendung. So sind z. B. die USB-Typ-C-Stecker standardisiert, sodass jeder in der Europäischen Union sein Smartphone mit einem bereits vorhandenen Ladegerät aufladen kann, unabhängig von der Marke des Telefons.
Welches Standardisierungsniveau sollte im Rahmen der digitalen Transformation angewendet werden? Wenn ein zu hohes Standardisierungsniveau gefordert wird, könnte die Einhaltung von Standards die Entwicklung einer vernetzten Schweiz behindern und sie (noch mehr) bürokratisieren. Ist der Standar-disierungsgrad zu niedrig, sind die Lösungen nicht oder nur bedingt interoperabel und erfordern Anpassungen und Umbauten, um Informationen von einem System in ein anderes zu übertragen. Eine Praxis muss nicht formell standardisiert sein, um sich zu verbreiten, z. B. entstehen Paradigmen wie die Serviceorientierung (oder eine derzeit gängige Implementierung: Microservices), weil sie in einflussreichen Branchen als gute Praxis angesehen werden. Dadurch wird diese Praxis implizit zum Standard. Ist es denkbar, dass man sich bei der Entwicklung von Interoperabilität nur auf bewährte Verfahren stützt, anstatt formale Standards zu definieren?